Back to the roots – Basiswissen für ein gutes Leben

Worauf baue ich? Was sind meine Wurzeln? Eine gute Basis ist die Voraussetzung für Entfaltung und ein Leben entsprechend meiner wahren Natur.

Von der Vision zur Umsetzung

Im letzten Inspirationsletter habe ich von Utopien geschrieben. Wer hoch fliegen möchte, muss aber auch gut geerdet sein, sonst sind die Ideen gleich verweht. Damit der Vision die Umsetzung folgt, ist tatkräftiges Tun nötig. Es braucht konkrete Schritte, Kooperation mit anderen, fokussierte Handlungen und vor allem Durchhaltevermögen. Danach dürfen wir ernten und uns über das Werk freuen.

Im Laufe unseres Daseins

Wenn wir unser Leben betrachten, haben wir anfangs große Träume. Was möchte ich einmal werden? Wie möchte ich mein Leben um mich herum gestalten? Als junge Erwachsene haben wir die Kraft und Zuversicht, das alles umzusetzen und vieles gelingt uns auch.

Später kommt etwas Ernüchterung dazu, aber auch Freude über das Erreichte. Die Ziele verändern sich. Zum Erreichen dieser Wünsche braucht es nicht mehr so viel Körperkraft, sondern Weisheit und Geduld. Wir wollen keine Bäume mehr ausreißen, aber Herzqualitäten entwickeln. Wir achten auf unser „Instrument“ Körper, um noch lange gesund das Leben genießen zu können.

Je älter ich werde, um so mehr interessiere ich mich für meine Ahnen, besonders für meine Vorfahrinnen. Wer waren sie? Wie lebten sie? Gibt es Ähnlichkeiten? Setzt sich ein Muster über die Generationen fort? Dort liegen meine Wurzeln und ich werde mir meiner eigenen Geschichte bewusst.

Eine Yogastunde wie ein ganzes Leben

Wenn wir Yoga praktizieren, durchleben wir auch diese Prozesse. Zuerst ist da eine Idee, die uns in die Stunde führt. Aus ihr heraus entwickeln sich Atem- und Körperübungen, die wir tatkräftig umsetzen. Bei einer Einheit von 90 Minuten heißt es durchhalten, auch wenn es einmal anstrengend ist. Gegen Ende der Stunde ernten wir strahlende Lebensenergie und befreiende Emotionen.

Die Wurzeln des Yogas führen uns …

Die Quellen für den Aufbau der Yogastunden sind Schriften, die sich über Jahrhunderte erhalten haben, weil viele Yogalehrende sie immer wieder geprüft haben. So wurden sie von Generation zu Generation weitergegeben, weil die Wirkungen der angeleiteten Übungen erfahrbar waren und sich immer wieder bestätigt haben.

Die ältesten bekannten Schriften (Veden und Upanishaden) stammen aus der Zeit 1000 vor Chr. Tantra ist eine der jüngeren Schulen und fand im 9. Jahrhundert nach Chr.  seinen Höhepunkt. Es wird übersetzt mit „Werkzeug (tra) zur Ausdehnung (tan)“. Es gibt davon 3 Strömungen mit unterschiedliche Techniken und sehr divergierenden Zielen: das schwarze Tantra, mit dem man dunkle Energie, also schwarze Magie verbreitet. Das rote Tantra, mit dem man die Sexualenergie nützt, um auf andere Ebenen zu gelangen. Das weiße Tantra, das die hellen Energien zum Wohle aller hervorbringt. Philosophie und Praxis des Tantras beeinflusste in den folgenden Jahrhunderten sehr stark den Buddhismus und Hatha Yoga. Viele der Techniken finden wir auch dort wieder.

… bis in die Gegenwart

Im Moment begleitet mich das Buch „Licht auf Tantra“ von Christopher Wallis und sein podcast zur Vijnana Bhairava (das göttliche Bewußtsein). Er ist ein heute lebender Sanskrit-Gelehrter, der die alten Texte in unsere moderne Sprache bringt, damit uns Theorie und Praxis des weißen non-dualen Tantras zugänglich werden. Christopher Wallis versteht es, mit Beispielen aus unserem Alltag die alten Verse der Vujnana Bhairava – ein Gespräch zwischen Siva und Sakti – in die Gegenwart zu bringen: 

Vers 101: „Wenn du dich tief in Sorge, Wut, Verwirrung, Aufregung oder Eifersucht befindest, dann lass deinen Geist zuerst einmal ruhig werden. Das Wirkliche/dein Kern ist das, was bleibt, wenn die Emotion wieder gegangen ist.“ (frei übersetzt aus dem Englischen)

Christopher Wallis kommentiert das so: Wenn Du im Supermarkt die Geduld verlierst, weil jemand vor dir an der Kassa unendlich lange braucht, umständlich ist und du eigentlich schon längst bei einem Termin sein solltest, beobachte Deine Emotion. Schau dir selber zu in deiner Ungeduld und dann:

  1. Lass den Atem wieder ruhig werden.
  2. Entspanne dein Gesicht.
  3. Konzentriere Dich auf dein Zentrum.

Was bleibt, wenn die Emotion geht? Gefühle und Gedanken kommen und gehen, aber was bleibt? Du erreichst eine tiefere Dimension deiner Existenz. Das andere ist verraucht und nicht mehr wichtig. Du lebst frei entsprechend deinem wahren Wesen.

Yoga-Start nach der Sommerpause

Nachdem wir in der letzten Yogasaison schon einige Begriffe und Realitäten aus der Tantra-Philosophie, nämlich die 36 Tattvas kennengelernt haben, möchte ich mit Euch im Herbst wieder zurück zu den Wurzeln gehen.

In den Herbstkursen widmen wir uns dem Basiswissen Yoga: Wir wiederholen die Schlüsselpositionen für die Asana-Praxis, erforschen unseren Atem und bringen einfache Mantra-Klänge in unsere Körperräume. In der Endentspannung und Meditation genießen wir die tiefe Zufriedenheit. Kehren wir zurück in die Außenwelt, haben sich unsere Herzqualitäten gefestigt. Denn das non-duale Tantra ist keine Praxis für die Höhle oder den Rückzug, sondern für die Menschen, die einen ganz normalen Alltag führen. Wir lernen, dass ALLES zum Leben gehört und ALLES seinen Sinn hat.

Der Lebensbaum: Wurzel – Stamm – Krone

  • Die Wurzel = woher komme ich?
  • Der Stamm = wer bin ich?
  • Die Krone = wohin gehe ich?

Das sind die Fragen, die uns beim Retreat in Grünau im Almtal begleiten werden. Bäume gibt es dort genug. Wir werden Gelegenheit haben, in der Natur unterwegs zu sein – mit allen Elementen und Sinnen. Nimmt dir in diesen Tagen die Zeit zu vertiefen, was du für ein gutes Leben brauchst.

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