Wechselspiele & Lebensbalance

Kennst Du auch das ewige Auf und Ab – das Wechselspiel des Lebens? Wann komme ich endlich in die Ausgeglichenheit? Welche Qualitäten zeigen sich zu viel oder zu wenig und lassen mich wieder in Disbalance fallen? Ein Retreat zeigte mir die unterschiedlichen philosophischen Zugänge und mein eigenes Innerstes.

In Lebensbalance

Das Thema des heurigen Retreats von Florian Palzinsky hat mich immer wieder getriggert und zu erkenntnisreichen Gesprächen geführt. Wer bin ich? Welche Anteile trage ich in mir? Welches Prinzip fordert mich gerade am meisten heraus? Wo halte ich an einer Vorstellung fest?

Die Kräfte des Lebens wirken in jeder Person und in der Natur. Durch einen maßvollen Lebensstil können wir sie ausgleichen bzw sogar über uns hinauswachsen, sodass wir gelassen und unberührt von dem Wechselspiel des Lebens bleiben.

Taoismus

Im chinesischen Taoismus werden diese 2 Pole als Gegensatzpaare beschrieben, die jeder Mensch in unterschiedlicher Ausprägung in sich trägt. Yin ist das ruhige, nach innen gerichtete – Yang das bewegte, nach außen gerichtete Element.

Der Mensch des Tao lebt in der Gegenwart, kramt nicht in seinen Erinnerungen, nimmt seine Fehler an, ist auf natürliche Weise aktiv und schöpferisch tätig, voller Lebensfreude, strebt nicht nach Einfluss in der Gesellschaft, bewahrt sich in der Liebe seine Selbständigkeit und lebt ein Leben ohne Probleme, weil jede Krise die Chance zur Veränderung birgt.

Dieser Mensch ist in Harmonie und im Fluss mit dem Leben. Seine Persönlichkeit ist ausgeglichen.

Die 3 Gunas (Yoga)

Tamas ist Ruhe und Stabilität. Rajas ist Aktivität und Leidenschaft. Von beiden kann es ein zu viel bzw ein zu wenig geben und sie bedingen einander – ähnlich wie bei Yin und Yang. Sind beide in Balance, befindet man sich in Sattva, in der Klarheit und im Frieden. Idealerweise hängt man aber an keiner der 3 Eigenschaften und steht außerhalb dieses Konzepts, im Gleichmut – egal, was um einen herum passiert.

Je nach Tages-/Jahres-/Lebens-/Weltenzeit dominieren andere Qualitäten in einem Menschen, in der Welt und im Universum. So glaubt das Yoga an verschiedene Zeitalter. Wir leben derzeit im Kali Yuga, dem schnellen, materialistischen und dunklen Zeitalter, aus dem dann wieder helle Zeiten hervorgehen sollen.

Christliche Dualität

Im Christentum werden – vor allem im Ersten Testament – immer wieder die Gegensätze Gut und Böse, Hell und Dunkel, Himmel und Hölle herangezogen, um Menschen mittels Moral zu lenken. Doch tragen wir nicht alle beide Eigenschaften in uns? Außerdem kann je nach Sozialisierung und kulturellem Kontext ein Verhalten in einer Gemeinschaft akzeptiert oder abgelehnt werden. Das Zweite Testament wiederum führt uns da schon auf eine andere Ebene: Verzeihen, Barmherzigkeit und Nächstenliebe, weil wir alle eben nur Menschen und nicht Gott sind.

Archetypen

Hier sei betont, dass es sich um Urformen handelt, die nicht dem Mann oder der Frau im Speziellen zugeordnet sind, sondern in den alten Gesellschaften das Männliche und das Weibliche transportiert haben. Darunter sind der Krieger und die Kriegerin, die Urmutter und der Urvater, der Geliebte und die Geliebte, der Magier und die weise Frau, die junge Frau und der Held, die Hexe und der Dunkle.

Welche Anteile trage ich in mir? Welcher Archetyp erzeugt Widerstand? Bei welchem fühle ich mich wohl?

Tantra-Philosophie

In all diesen oben erwähnten Konzepten wird von 2 Polen gesprochen, denen auch eine gewisse Wertung anhängt. Daher geht die Tantra-Philosophie einen Schritt weiter: Sie löst die Dualität in die Non-Dualität auf. Hier gibt es keine Gegensatzpaare, keine Zeit und keinen Raum, weil immer alles da ist. Zeit und Raum sind nur ein Konzept, um das Leben für den einfachen Menschen greifbar/einteilbar zu machen. Durch persönliche und spirituelle Entwicklung nähert sich das Individuum dem universellen Allsein an und findet aus dem Wechselspiel der Gefühle und Gedanken in den Frieden.

Ayurveda

Die yogische „Wissenschaft des Lebens“ orientiert sich an 3 Jahreszeiten und empfiehlt eine entsprechende Ernährung und Lebensstil. Der Spätherbst und Frühwinter mit seinen Stürmen und trocken-kalten Tagen lädt zum Rückzug ein. Wir genießen die Ernte vom Frühherbst oder Lagersorten: Äpfel, Birnen, Preiselbeeren, Nüsse sowie verschiedene Kohl- und Krautsorten, Wurzel- und Knollengemüse. Die Tage werden kürzer und bei Kerzenlicht ist Zeit zur Reflektion: Wo stehe ich heute? Was brauche ich für ein gutes Leben?

In diesem Sinne wünsche ich Dir nun Tage mit

  • gemächlichen Spaziergängen,
  • sanftem Yoga begleitet von beruhigendem Pranayama und Meditation,
  • erdendem Essen wie kräftige Suppen und Eintöpfe, Kompott oder Bratäpfel,
  • Faulenzen auf der Couch bei einer Tasse Tee, ruhiger Musik oder einem guten Buch,
  • ein entspannendes warmes Bad vor dem frühen Schlafengehen.

 

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