Was kümmern mich die anderen? Hauptsache, mir geht’s gut.

Thich Nhat Hanh, neben dem Dalai Lama der bedeutendste buddhistische Lehrer unserer Zeit, ist vor einigen Tagen von uns gegangen. Seine Lebensphilosophie und die Yoga-Sutren des Patanjali sind für mich wichtige Wegweiser zu einem Leben in Frieden.

Die „10 Gebote des Yogas“

Wie wir mit anderen umgehen oder wie wir unser eigenes Leben gestalten – dafür gibt es immer wieder gute Ratschläge. Die 5 Yamas und 5 Niyamas aus den Yoga-Sutren sind eine alltagstaugliche Philosophie, die Patanjali bereits vor einigen Jahrhunderten in seinen Sutren erklärt hat. Dabei bezieht er sich auf uralte indische Quellen.
 

Die Yamas – ethischer Umgang mit anderen

Ahimsa – gewaltfreies Leben in Worten, Taten und Gedanken. Bestes Beispiel dafür ist Mahatma Gandhi. Und dieses Prinzip ist – wie im Christentum die Liebe – das oberste Gebot.
 
Satya – nicht lügen. Sat = Wahrheit. Im Kombination mit Ahimsa heißt das aber auch, dass ich nicht die Wahrheit sagen werden, wenn ich dadurch jemanden verletze. Manchmal ist Schweigen besser oder sogar eine Notlüge erlaubt.
 
Asteya – nicht stehlen. Auch nicht Gedanken, Ideen, Kunst und Musik, saubere Luft, reines Wasser, …
 
Brahmacharya – Verhalten, das zu Brahman führt. Das kann bedeuten, ein spirituelles Leben zu führen oder ein enthaltsames oder ein respektvolles sexuelles Leben.
 
Aparigraha – unbestechlich sein und nicht horten, sodass es deine ethischen Freiheiten nicht einschränkt. Wenn ich ein Geschenk annehme und mich dann für eine Gegenleistung verpflichtet fühle, bin ich nicht mehr frei.
 

Die Niyamas – persönliche Lebensführung

 
Saucha – Reinheit. Damit ist nicht nur waschen und saubere Kleidung gemeint, sondern auch eine geputzte Wohnung, ein aufgeräumter Schreibtisch, gesunde Ernährung, ein klarer Geist. Dafür setzen wir im Yoga zum Beispiel Reinigungstechniken wie Atemübungen, positives Denken oder die Nasenspülung ein.
 
Santosha – Zufriedenheit, Gelassenheit, Genügsamkeit. Ein Yogi voller Santosha würde sagen: „So wie es ist, ist es gut.“ „Die Menschen um mich herum bemühen sich und geben ihr Bestes.“ „Das, was jetzt da ist, ist genau richtig für meine weitere Entwicklung“.
 
Tapas – kann zweifach übersetzt werden: Begeisterung, Freude, Engagement & Üben, Disziplin, Durchhaltevermögen bis zur Askese. Also auch Dinge zu tun, die nicht unbedingt angenehm sind. So kann uns kaltes Duschen körperlich und geistig kräftiger machen.
 
Swadhyaya – das Studium, ebenfalls in zweifacher Hinsicht. Einerseits das Selbststudium, um sich selbst besser kennenzulernen, andererseits das Studium von Schriften, spirituellen Texten oder auch das Sprechen über deren Inhalte.
 
Ishvara Pranidhana – Hingabe an das Göttliche, indem Du um Hilfe bittest, es befragst, die Aufgaben des Lebens annimmst oder die Entscheidung dieser höheren Kraft überträgst, nachdem Du Dich schon so bemüht hast. Wenn wir spirituelle Lieder singen, mit dieser Kraft in den Dialog gehen, musizieren, eine Kerze anzünden, Ritualen folgen, kommen wir in die Energie dieser allumfasssenden Liebe und lassen uns von ihr führen.
 

In den Yogastunden das Bewusstsein schärfen & inspiriert in den Alltag gehen

Diese 10 ethischen Tipps zu befolgen, ist eine Lebensaufgabe. Für unsere 10-Wochenkurse sollen diese Ratschläge den roten Faden bilden. In den Yogastunden schauen wir uns jeweils eine Regel näher an, nehmen sie als Basis für unsere Praxis auf der Yogamatte und als Inspiration für unser Leben.
 

Thich Nhat Hanh

Beim Wochenende in Kirchberg/Wechsel wird uns dieser große buddhistische Lehrer begleiten. Seine Lebensphilosophie der Achtsamkeit und des freundlichen Lächelns werden in die Yogastunden einfließen und eventuell sogar für Stoff für philosophische Gespräche in unserer Runde sorgen. Hier ein Zitat von ihm:
 
„Alles können wir auf eine Art und Weise tun, durch die wir unsere Freiheit wiedererlangen – sei es, dass wir gehen, Tee trinken oder uns unterhalten. Wir müssen die Dinge nicht unter Druck tun. Wir können uns selbst mit nur wenigen Vorhaben bescheiden und diese dann mit Freude und heiterer Ruhe ausführen.“
 
 
 
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