Wache Ruhe – Eindrücke vom Schweige-Retreat
Laute Stille
Heute bin ich von einem Schweige-Retreat zurück gekommen. 4 Tage in Stille – Stille um mich herum, aber nicht Stille in mir. Beim Meditieren entsteht ein Feuerwerk von Gedanken. Eberhard Bärr, der uns begleitende Philosophie-Lehrer, hat gesagt: wenn man hören könnte, was wir 22 Personen hier im Raum denken, wäre es ein gewaltiger Lärm!
„Die Welt“
Apropos Lärm: Seine rhetorische Frage an uns Teilnehmende möchte ich hier gleich einmal anbringen: „Gibt es den Krach von einem Baum, der im Wald umfällt, auch wenn ihn keiner hört?“ Ich finde diese Frage höchst witzig UND philosophisch! Damit will ausgedrückt werden, dass wir uns durch unsere Sinnesorgane eine Welt schaffen, die aber jeder individuell wahrnimmt. So wie Du die Welt siehst bzw hörst, sieht bzw hört sie kein zweiter. Also ist es eine subjektive Welt und keine objektive. Wenn wir das in Diskussionen oder Meinungsverschiedenheiten beachten würden, wäre unser Miteinander verständnisvoller.
Natürliche Verbundenheit
Noch etwas von diesem Seminar möchte ich mit Dir teilen: Verbindung zwischen den Menschen ist immer da, sagte Eberhard. Wir müssen sie nicht erst herstellen. Sie ist von Natur aus zwischen den Lebewesen vorhanden. In der Stille und in der Klarheit spüren wir diese Mensch-zu-Mensch-Verbundenheit. Nur im hektischen Alltag sind wir plötzlich getrennte Gruppierungen: Kind & Erwachsener, Österreicherin & Fremde, Mann & Frau, Atheist & Gläubiger, … Diese Spaltung ist uns leider präsenter als die Verbundenheit. Das führt zu den vermeintlich verschiedenen Lagern. Auf diese „Spaltung der Gesellschaft“ werden wir täglich gestoßen anstatt auf die vielen Beispiele von Solidarität, die es auch zur Genüge gibt.
Debattier-Schule tibetischer Jungmönche
Eberhard Bärr war viel in Indien unterwegs und erzählt immer wieder von dort: In Dharamsala, dem Exilort der Tibeter in Nordindien, lernen die jungen Mönche, zu diskutieren und Ruhe zu bewahren – Sich-nicht-Triggern-Lassen würden wir das auf Neudeutsch ausdrücken: 2 Burschen sitzen einander gegenüber. Einer ist der Herausforderer, der den Schüler aus der Reserve locken soll. Der Herausforderer wird emotional, möchte Angst und Wut beim anderen erzeugen. Der Schüler übt, ruhig und sachlich zu bleiben. Dieses „Spiel“ kenne wir auch aus unserer Welt: durch Emotionalisieren wird beim anderen Angst erzeugt. Dann ist der Mensch leicht steuerbar und kann manipuliert werden. Eine derartige Debattier-Übung wünsche ich mir auch für unsere Gesellschaft!
In wacher Ruhe
… das war das Ziel des Schweigeretreats. Was ist „wache Ruhe“?
Wir kennen die lebendige Wachheit aufgrund von Action, wenn wir Joggen gehen, unternehmungslustig sind, uns mit vielen Leuten treffen. Dann gibt es Tage, wo wir erschöpft sind, ausgelaugt von der Arbeit, kurzen Nächten (mit oder ohne Alkohol) oder dem Alltags-Irrsinn. Das ist dann der ruhige, aber dumpfe Zustand. Wenn Du die Wachheit aus dem ersten Beispiel und die Ruhe aus dem zweiten Beispiel zusammenführst, bist du in der wachen Ruhe. Die erreichst Du durch aufmerksames Sitzen in der Stille – eine Form der Meditation, die dir einen weiten Raum für mehr Klarheit öffnet.
Meditation in wacher Stille
Setze Dich aufrecht und bequem hin: Komme vom Denken ins Spüren. Du brauchst keine besondere Technik anwenden, sondern „nur“ sitzen, im JETZT sein und dich spüren. Eberhard hat immer wieder gesagt: „Lass die Welt in Ruhe! Lass Dich selbst in Ruhe! Kein Analysieren, kein Optimieren – sitze in wacher Ruhe und schaue Dir selbst dabei zu“. Klingt doch einfach, oder? Probier‘ es einmal!
Angeblich werden mit der Zeit die Gedankenwellen ruhiger – so weit habe ich es noch nicht gebracht. Aber ich bin zuversichtlich und bleibe dran!
Meditation als Teil des ganzheitlichen Yogas
In meinen 10-Wochenkursen ist Meditation ein Teil der jeweiligen Yoga-Einheit. Sei es am Anfang der Stunde, um das Thema einzuleiten, sei’s in Kombination mit Atemübungen oder am Ende der Stunde, um die Energien aus der Yogastunde zu nützen und eben in wacher Ruhe die Einheit abzurunden. Während der Yoga-Ferien und insbesondere während der Yoga-Retreats kannst Du in die Meditation natürlich tiefer eintauchen.
Wenn Du Fragen dazu hast, sprich mich an oder sende mir ein mail. Die nächsten 10-Wochenkurse starten wieder ab 22. April und vom 24.-26. April machen wir Yoga-Urlaub in Payerbach!



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