Ein Leben zwischen Ost und West – ein Fluss mit 2 Ufern

Christentum & Yoga – ist das vereinbar? Wo finden sich Gemeinsamkeiten? Antworten geben die Bücher zweier Meister, die in beiden Welten gelebt haben.

Yoga als Christin

Manchmal werde ich gefragt, wie das ist, als Christin Yoga zu praktizieren. Wir singen hinduistische Mantren, ich erzähle von hinduistischen Göttern, wir üben Techniken, die im alten Indien durch Weise in der Meditation oder Selbsterfahrung entwickelt wurden. Ist das erlaubt? Passt das zusammen? Schließlich sind diese beiden Religionen doch so weit von einander entfernt! Wenn ich die Bücher von den beiden unten angeführten spirituellen Männern lese, erscheinen mir diese beiden Wege aus Ost und West nicht mehr so unterschiedlich.

Gemeinsame Qualitäten

Wir finden da und dort Herzqualitäten wie Ahimsa/Liebe, Dharma/Lebenssinn, Atha/Wohlstand, Abhyasa/Durchhaltevermögen & beständiges Üben, Vairagya/Loslassen, Saucha/Reinheit, Santosha/Gleichmut, Isvara Pranidhana/Hingabe zum göttlichen Prinzip, Svadhyaya/Studium usw.

Ein Weg mit 2 Ufern

Mir tut es gut, mich auf andere Denkweisen einzulassen und einen weiteren Horizont zu bekommen. „Meine“ Weltanschauung verändert sich dadurch. Mit Freude stelle ich fest, dass mein Weg ein Fluss mit 2 Ufern geworden ist. Einmal lande und raste ich an dem Ufer des Yogas, dann wieder an dem Ufer des Christentums meines Kulturraums. Dabei blicke ich hinüber und finde so viele Gemeinsamkeiten! Spirituell bereichert begebe ich mich dann wieder in den Fluss des Lebens, der in dem Ozean des gegenseitigen Verstehens und Annehmen ALLER Kulturen und Religionen münden kann.

Le Saux/Abhishiktananda

Der Benediktinermönch Henry Le Saux hat 25 Jahre seines Lebens in Indien zugebracht, um dort den Weg zum Selbst zu finden: das andere Ufer. In seinem Buch stellt er aus der Erfahrung seiner beiden monastischen Leben Christentum und Vedanta gegenüber. Dabei erläutert er die älteste spirituelle Schrift der Welt, die Upanishaden, und untersucht sie auf ihre Aktualität für Menschen von heute.

Buchtipp: „Der Weg zum Anderen Ufer“, Le Saux/Abhishiktananda

Vivekananda

Swami Nikhilananda schrieb eine Biographie über Vivikananda, dem Schüler des großen indischen Mystikers und Weisen Ramakrishna. Vivekananda gelang es, eine Brücke zwischen Ost und West zu schlagen. Er war Teilnehmer (manche meinen, bedeutendste Gestalt) des Parlaments der Religionen, zu dem 1893 christliche Theologen in die USA einluden, um allen Religionen eine Bühne und Diskussionsplattform zu bieten.
 
In dem Buch „Vivekananda“ wird von seinem Leben und Wirken in Asien, Amerika und Europa erzählt. Vivekananda war der Ansicht, dass die indische Lehre in die Welt hinausgetragen werden müsse. Der Westen leide unter unaufhörlicher Tätigkeit und der Sucht nach materiellen Wohlstand ohne ein höheres spirituelles Ziel, während Indien einen Schatz an höherem Wissen und die Urkaft des Glaubens in sich trägt. Auf der anderen Seite fehle Indien die Aktivität und Durchsetzungsfähigkeit sowie die gesunde Gesellschaft des Westens. Eine gegenseitige Befruchtung, ein Nehmen und Geben würde allen Menschen zu höchstem Wohl für Körper und Seele verhelfen.
 
Buchtipp: „Vivekananda“, Swami Nikhilananda
 
 
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