Das Fremde wird vertraut
Eine komplexe Welt voller Veränderungen und „Gefahren“
Unsere Welt wird immer schneller und komplexer. Verschiedenste Herausforderungen strömen auf uns ein. Sei’s technischer Natur, sei’s Umwälzungen im geopolitischen Umfeld, sei’s Veränderungen in unserer nahen Umgebung. Wie soll man/frau das noch schaffen? Oft bin ich am Abende müde von allzu viel Input und Reizüberflutung.
Neugierig bleiben
Dann gibt es aber auch die Tage, wo ich mich voller Neugierde auf Neues stürze. Im Büro habe ich den Vorteil, in Workshops und e-learnings mit KI-Techniken vertraut zu werden. Ich darf während der Arbeitszeit lernen, mit neuen Tools umzugehen. Und ich muss sagen: wenn ich mich darauf einlasse, kann es echt spannend werden! Habe ich die neuen Werkzeuge kennengelernt, bestimme ich, wie ich sie nutze. Nicht sie bestimmen mich, sondern ich komme in die aktive Rolle und bleibe handlungsfähig.
Gegenstrategien
Wenn das Gehirn überfordert wird, stellt es auf Abwehr und wir fühlen uns erschöpft. Dann werden wir krank oder haben Schmerzen. Dies ist ein Schutzmechanismus gegen Überlastung. Wir müssen aber nicht auf die Warnsignale warten, sondern können schon vorher bewusst und aktiv die Notbremse ziehen. Die einen gehen in den Rückzug auf ein (Schweige-)Retreat, die anderen betreiben Sport an der frischen Luft oder gönnen sich eine Massage.
Angst vor dem Fremden?
Eine andere Herausforderung sind Kontakte mit Menschen außerhalb meiner „Blase“. Menschen, die eine andere Meinung haben, die einem anderen Kulturkreis entstammen oder die einer anderen Generation angehören. Immer wieder erlebe ich, wie hilfreich es ist, diesen Menschen persönlich zu begegnen. Verstehe ich sie nicht, frage ich: Wieso bist Du dieser Meinung? Warum hast Du das so gemacht? Möchtest Du mir das erklären?
Reisen eröffnet neue Sichtweisen
Ich liebe es, neue Wege zu beschreiten – beim Wandern oder Radfahren auf Entdeckungsreise zu gehen und mich überraschen zu lassen, was hinter der nächsten Ecke auf mich wartet. So muss ich aus meiner Komfortzone treten und auf Veränderungen reagieren – das ist gut so. Raus aus dem Alltagstrott! Der Mensch ist ja eigentlich ein Gewohnheitstier und liebt die Konstante. Aber irgendwann ist mir das zu langweilig und los geht’s in die Ferne!
Yoga & das Fremde
Nomen ist Omen? Barbara heißt die Fremde. Zieht es mich deswegen immer wieder zu neuen Orten? Das muss nicht unbedingt physisch passieren. Eines meiner Hobbies ist das Lesen von Büchern. Bekanntlich ist Lesen Kino im Kopf, wodurch ich mir neue Welten erobere. Oder ich tauche in neue Wissensgebiete wie Yoga ein.
Yoga ist nicht nur eine körperliche, mentale und energetische Übungstechnik. Es ist eine Lebenshaltung. Im Studium und in der Praxis begegnen mir immer wieder die fremde Denkweise eines völlig anderen Kulturraumes und einer uralten Tradition. Lehrer helfen mir, dieses Wissen in die Gegenwart zu übersetzen. Indem ich mich auf diesen Weg wage, erfahre ich, dass diese praktischen und philosophischen Ansätze noch immer gültig sind. Ich lerne auf der Matte, was mir dann Stütze in meinem Alltag ist – hier in Europa im 21. Jahrhundert. Und manches Mal schwebe ich nach der Yogapraxis überhaupt in anderen Sphären …
Kleshas – die Ursachen für Schmerz
Yoga und Buddhismus erklären mir, warum ich ein Leben lang immer wieder leiden muss, anhand der 5 Kleshas:
- Weil ich nicht weiß, was wirklich wichtig ist: Unwissenheit (Avidya). Beispiel: ich glaube/hoffe, dass mein Körper jung und gesund bleiben wird. -> Ich leide, wenn ich dann doch einmal krank bin oder bemerke, dass ich altere, anstatt die Reife positiv zu sehen und zu akzeptieren, dass das der Lauf der Dinge ist.
- Weil ich mich mit etwas identifiziere, was nicht wirklich ICH bin: Identifikation mit dem Körper oder der menschlichen Persönlichkeit (Asmita). Beispiel: Ich bin ein Sonnenkind und begegne anderen immer fröhlich. -> Ich leide, wenn ich von jemandem getriggert werde, zu dieser Person dann forsch bin, diese Person verletzt habe und das mein Selbstbild zerstört. Ich darf mir aber auch eingestehen, dass ich nicht immer perfekt sein werde und entschuldige mich bei der Person.
- weil ich mir etwas wünsche: Gier nach Vergnügung/Freude (Raga). Beispiel: ich liebe es, mit einer Freundin ins Theater zu gehen. -> ich leide, wenn das nicht mehr möglich ist anstatt zu erkennen, dass alles seine Zeit hat.
- weil ich etwas ablehne: Abneigung (Dvesha). Beispiel: ich muss mit einer Person zusammenarbeiten, die ich absolut nicht ausstehen kann. -> Ich leide, weil ich mich ständig über sie ärgere. Doch diese Person wird sich nicht mir zu Liebe ändern. Also muss ICH lernen, mit ihr umzugehen.
- Ich hänge an einem Menschen/Besitz/Fähigkeiten: Anhaften (Abhinivesa). Beispiel: ein lieber Mensch verlässt mich -> ich leide, weil er mir so sehr fehlt und ich diesen Verlust auch nach einiger Zeit noch immer nicht verkrafte. Wenn wir uns während der gemeinsamen Zeit ab und zu bewusst machen, dass die Tage für jeden von uns gezählt sind, genießen wir das Jetzt zu Zweit mehr.
Gelingt es mir eine der Kleshas zu reduzieren, verringert sich auch mein Schmerz und mein Leben wird leichter. Ich lasse unangenehme Wahrheiten zu und bin gewappnet, wenn sie tatsächlich eintreffen.
Dem Fremden in Frieden begegnen
Jede offene Auseinandersetzung mit dem Fremden fördert das friedliche Miteinander. Im neugierigen Aufeinander-Zugehen ändern sich Sichtweisen: aus Konfrontation wird Neugierde, aus Missverständnissen Klarheit, aus Wut Verstehen.
Bei den aktuellen Yogakursen lernen wir gerade die 36 Tattvas aus der indischen Tantra-Philosophie kennen, die tiefe Praxis während der Yogaferien in Payerbach führen uns hoffentlich ins friedliche Glücksgefühl Ananda und das eintägige regelmäßige Yoga & Wandern beschert uns immer wieder neue Wege mit Menschen und ihren vielfältigen Meinungen.
Philosophie, Körperhaltungen, Gedankenimpulse, neue Orte und Menschen erweitern unseren Horizont und bereiten den Boden für ein friedliches Miteinander. Genau so wird Fremdes zu Vertrautem.




Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!